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Kleine Umfrage - erbitte eure Meinung (BMW-E24-Forum)

honyama @, Montag, 10. Januar 2022, 21:08 (vor 12 Tagen) @ Holger Petersen

Hallo Holger,

vielen Dank für die Teilnahme. Nun, ich hab meinen Bachelor in den Ingenwiss. 2015 begonnen mit gut 150 weiteren Studis. Heute ist man froh, wenn man zum Wintersemester 30-50 hat und zum SS 10-15. In den elektrotechnischen Studiengängen ist der Trend ähnlich stark nach unten. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/236214/umfrage/studierendenanzahl-im-mas... Mit etwas Statistik oder zumindest gesundem Menschenverstand wird einem auch klar, dass die damaligen G12-Reformen etwas verzerrt haben, was sich wohl nun langsam wieder ausgleicht. Dennoch:

Wir haben auch regen Austausch mit anderen FH´s und dort ergibt sich ein ähnliches Bild. Bei den dualen Hochschulen scheint es besser zu laufen. Als einzig nennenswerten Grund fällt mir die Aussicht auf einen Anschlussjob im Partnerunternehmen bei Vergütung von Anbeginn an.

Die immer schlechteren Studierendenzahlen führen jedenfalls dazu, dass viele elektro- und klassische Maschinenbau-Fakultäten sich zu einem "Naturwissenschaftlichen" Cluster zusammentun. Auch wenn die Idee oftmals aus der Not heraus kommt, finde ich den Ansatz grundsätzlich nicht schlecht. Elektro und Maschinenbau stecken heute in nahezu jedem Produkt, von Auto über Industrie 4.0 Produktionsanlage bis hin zu einem simplen Küchengerät mit Touch.

Die ganzen Sozialwissenschaftlichen Studiengänge, BWL/Management und Marketing/Design sind immer voll ausgelastet. Auch bei Statista findet man gute Belege dafür. Ebenso sind die Ingenieurwissenschaften mit über 30% Abbruchquote trauriger Spitzenreiter. Das da am Ende nicht mehr viel übrig bleibt, ist wohl jedem klar.

Hab mit einigen Abbrechern gesprochen und die nervt einerseits das anfangs "theoretische" und die anspruchsvolle und lernintensive Mathematik. Ohne die Grundlagen geht es allerdings nicht und das ist schwer zu vermitteln und durch zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen auch kaum aufzufangen. Möchte hier jetzt aber keinen bildungspolitischen Diskurs lostreten.

Wir gehen die Sache eher pragmatisch an und versuchen ein zielgruppengerechtes Bildungsangebot über spannende Themen aufzusetzen. Sei es am Ende eine Vortragsreihe oder ein Podcast oder auch Interviews mit entsprechenden Fachbereichen. Ich denke, dass man damit zumindest die Daseinsberechtigung von Hochschulen hervorheben kann.

Zuletzt gab es bei uns mal eine Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit in der Industrie. Eine Firma aus der Region bewarb dann sehr farbenfroh ihre Nachhaltigkeit und Lebensdauer der Produkte, Elektrische Poolfahrzeuge, Solarenergie auf dem Dach, umweltverträgliche Gehäuse, eben das volle Programm. Als ich dann gefragt habe, wie lange sie denn Ersatzteile für ihr Produkt [Zuliefererteil für landwirtschaftliche Zugfahrzeuge (Schlepper)] bereitstellten, verkündete dieser etwas um 10-12 Jahre nach Serienauslauf.
Als ich dann vor versammeltem Publikum darauf hingewiesen habe, dass ich aus der Landwirtschaft komme und dort Schlepper mit über 15.000 Betriebsstunden und mind. 30 Jahren im Einsatz (Sonderkultur Hopfenanbau) eingesetzt werden, da erschien die Nachhaltigkeit der Firma plötzlich in anderem Lichte. Auf den Vorschlag meines Kollegen hin, sie sollen nach 15 Jahren doch wenigstens die Zeichnungen öffentlich bereitstellen, dass man die Teile nachfertigen kann (mittels 3D-Druck und etwas fortgeschrittenen Lötkünsten) wurde der Geschäftsführer recht rot und verwies auf die OEM´s und Patentrecht und sowieso und überhaupt.

Die Diskussion ging dann eindeutig in die richtige Richtung und rüttelte einige wach. Genau so hätten wir es auch gerne in Bezug auf die Themen aus der Umfrage.

Ich finde das pauschale E-Bashing mit üblichen Argumenten wie Umweltschutz, seltene Erden etc nicht so gut. Bestes Beispiel ist unser E24- 1976 als 630 CS mit Vergaser vorgestellt, dann 1978 die erste Motronic-Einspritzung, dann ABS, der erste Airbag, dann der erste Kat, das erste elektrohydraulische Getriebe. Damals hätte man auch argumentieren können, mehr Verbrauch durch Kat, Abbau seltener Erden in Krisenländern usw.

Stimmt in vielerlei Hinsicht alles, aber jede Technologie muss sich entwickeln und sollte nicht pauschal im Keim erstickt werden. Ohne genaue Details zu kennen, bin ich doch ziemlich sicher, dass die Batterien besser werden und auch "nachhaltiger" werden sollen, allein schon aus betriebswirtschaftlichen Aspekten. Wie schnell und wie sehr wird die Zukunft zeigen.

Allerdings Fahrverbote für Diesel und recht moderne Fahrzeuge unter dem Vorwand des Umweltschutzes finde ich von politischer Seite sehr bedenklich und erweckt für mich den Eindruck einer gezielten Säuberung des Marktes wie 2008 mit der Abwrackprämie in der viele Dauerläufer wie E30, Audi 80/100 und Mercedes 190 vorsätzlich in den Tod geschickt wurden.

Grüße hony

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